Labradoodle, Cockapoo & Co.

Ein wuscheliger Doodle-Mischling steht aufmerksam im Gras und schaut direkt in die Kamera, was seinen Charakter als echten Hund statt eines Stofftiers betont.
21. Juni 2026
Allgemein
Worum gehts?

Sind Labradoodle, Cockapoo & Co. wirklich die perfekten Anfängerhunde?

Sie sehen aus wie lebendige Teddybären, gelten als allergikerfreundlich, leicht erziehbar und als die ultimativen Anfängerhunde: Doodles. Ob Labradoodle, Cockapoo oder Cavapoo – die Lockenköpfe boomen seit Jahren und erobern vor allem über Social Media die Herzen von Familien.

Doch hält das „Marketingversprechen“ der Designerhunde auch der Realität stand? Eine groß angelegte wissenschaftliche Studie des Royal Veterinary College in Großbritannien (veröffentlicht im Fachjournal PLOS ONE) hat genau das untersucht. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Der Schein trügt oft.

Die Studie: Mythos vs. Wissenschaft

Das Forschungsteam um Gina T. Bryson verglich die drei beliebtesten Pudelmischlinge (Cockapoo, Labradoodle und Cavapoo) mit ihren jeweiligen Ursprungsrassen (Cocker Spaniel, Labrador Retriever, Cavalier King Charles Spaniel und Pudel).

Mithilfe eines standardisierten, wissenschaftlich etablierten Fragebogens (C-BARQ) wurden die Daten von insgesamt 9.402 Hunden unter fünf Jahren ausgewertet. Das Ziel: Herauszufinden, ob die Mischlinge wirklich „das Beste aus zwei Welten“ vereinen.

Das Ergebnis: Häufiger Verhaltensprobleme als gedacht

Die Annahme, dass Doodles charakterlich ein „gesundes Mittelmaß“ bilden, wurde durch die Studie widerlegt. Tatsächlich schnitten die Designerhunde in 44,4 % der Fälle schlechter ab als mindestens eine ihrer Elternrassen. Nur in knapp 10 % der Fälle schnitten sie besser ab.

Doodle-Mix Ergebnisse der C-BARQ-Analyse
Cockapoos Zeigten im Vergleich zu Pudeln und Cocker Spaniels in 16 von 24 Kategorien ungünstigere Werte. Dazu gehörten höhere Aggression gegenüber Fremden und Haltern, vermehrte Ängste, Trennungsprobleme, hohe Erregbarkeit und eine geringere Trainierbarkeit.
Cavapoos Schnitten in 11 von 24 Vergleichen schlechter ab (mehr Stress bei Trennung, mehr Angst und Aggression), waren dafür aber trainierbarer als der Cavalier King Charles Spaniel.
Labradoodles Wirken im Vergleich am ausgeglichensten. Sie zeigten gegenüber dem Pudel zwar weniger Aggression und Angst, schnitten dafür aber im Vergleich zum Labrador Retriever bei Themen wie Trainierbarkeit, Erregbarkeit und Trennungsangst schlechter ab.

Warum ist das so? Die Krux mit der Optik

Der Hauptgrund für diese Diskrepanz liegt laut Experten in der Zuchtpraxis. Doodle-Zucht basiert extrem stark auf der Optik – gefragt ist das süße Kuscheltier-Aussehen. Charakterliche Eigenschaften, rassetypische Bedürfnisse oder die gezielte Auswahl wesensfester Elterntiere treten dabei oft in den Hintergrund.

Die unterschätzte Pudel-DNA
Viele Menschen vergessen, dass Pudel ursprünglich hochspezialisierte Jagdhunde (für die Wasserjagd) sind. Sie sind extrem intelligent, arbeitswillig und fordernd. Ein Pudel-Mix ist kein Stofftier, das man einfach im Garten „parken“ kann. Werden diese Hunde unterfordert, entwickeln sie genau die erwähnten Verhaltensauffälligkeiten wie Frust, Zerstörungswut oder Aggression.

Das Risiko: Gefährliche Erwartungshaltungen

Das größte Problem ist laut Prof. Dan O’Neill (Mitautor der Studie) das Mindset der Käufer. Wer glaubt, ein Doodle brauche kaum Erziehung und laufe „einfach so nebenher“, geht ein hohes Risiko ein.

Wichtig zu wissen
Ein vernachlässigter Hund, der als „kinderlieber Kuschelbär“ unterschätzt wird, erhöht im schlimmsten Fall das Risiko von Beißvorfällen, weil Warnsignale des Tieres schlicht übersehen oder ignoriert werden. Wenn du überlegst, dir einen solchen Mix anzuschaffen, schützt eine unabhängige Beratung vor dem Hundekauf vor folgenschweren Fehlentscheidungen.

Mein Fazit für euch (und euren Hundekauf)

Bedeutet das, dass alle Doodles „schlecht“ sind? Nein, absolut nicht. Die Studie beschreibt statistische Gruppen und keine Einzeltiere. Am Ende spielen Aufzucht, die Seriosität der Zuchtstätte, Auslastung und Erziehung die größte Rolle.

Was wir daraus lernen sollten:

  • Schaut hinter die Fassade: Kauft einen Hund niemals nur nach dem Aussehen oder wegen Trends auf Instagram.
  • Kennt die Elterntiere: Beschäftigt euch intensiv mit den Eigenschaften beider Ausgangsrassen (z. B. Jagdtrieb beim Pudel/Spaniel, Apportiertrieb beim Labrador).
  • Realistische Erwartungen: Auch ein Doodle ist ein echter Hund mit Bedürfnissen, kein Plüschtier. Er braucht Konsequenz, Training und geistige Auslastung.
Das Fazit für die Praxis
Der Traum vom unkomplizierten Familienhund wird beim Doodle oft durch die Realität anspruchsvoller Jagdhund-Gene eingeholt. Lass dich nicht vom reinen Marketing blenden, sondern bereite dich gründlich vor. Zeigt dein Doodle bereits Verhaltensauffälligkeiten wie Trennungsstress oder gesteigerte Erregbarkeit? Im gezielten Verhaltenstraining bringen wir wieder Ruhe in euren Alltag. Melde dich gern bei mir für ein Erstgespräch.

Quellen und weiterführende Literatur

Thema Studie / Quelle
Verhaltensvergleich Bryson, G. T., O’Neill, D. G., Belshaw, Z., Brand, C. L., & Packer, R. M. A.: „Comparing undesirable behaviours between ‘designer’ Poodle-cross dogs and their purebred progenitor breeds“ (Royal Veterinary College / PLOS ONE).

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